Betreutes Wohnen mitten im Dorf - Im badischen Winzerort Eichstetten ist der Generationenvertrag gelebte Realität

Ein Bericht von 3sat online:

93 Prozent aller Menschen über 65 Jahre leben zu Hause - und die meisten haben den Wunsch, daran auch nichts zu verändern. Sie möchten möglichst lange selbstbestimmt sein. Die Gemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl hat ihren älteren Dorfbewohnern genau dies ermöglicht. 1998 hat Bürgermeister Kiechle eine Bürgergemeinschaft gegründet. Das Ziel: Senioren in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, zu betreuen und zu pflegen. So lange wie möglich und gewünscht kommen die Mitglieder der Bürgergemeinschaft zu den älteren Dorfbewohnern nach Hause, um kleine Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. Auch grundpflegerische Aufgaben übernimmt die Bürgergemeinschaft, dazu gehören Hilfen beim Waschen, Anziehen und bei der Körperpflege.

Neue Wohnungen sind entstanden

Es entstand der Schwanenhof, eine Anlage für Betreutes Wohnen. 16 Wohnungen wurden mitten im Dorf neu gebaut, barrierefrei, ohne Treppen und enge Durchgänge. Auch für den Fall, dass der Pflegebedarf steigt und eine Betreuung rund um die Uhr nötig wird, hat die Dorfgemeinschaft eine Lösung gefunden: den Adlergarten, eine Pflegewohngruppe, in der elf Personen leben. Entscheidend für diese Wohngruppe ist, dass sie eine "eigene Häuslichkeit" darstellt und damit nicht unter das Heimgesetz fällt. Nur so ist überhaupt möglich, dass die Bewohner einen häuslichen Alltag erleben können und zum Beispiel, mit Unterstützung der Mitarbeiter von Bürgergemeinschaft und Sozialdienst, gemeinsam kochen können - in Heimen ist dies aufgrund strenger Hygienevorschriften nicht erlaubt.

Im Dorf sind viele ehrenamtlich engagiert
Die Bürgergemeinschaft und die mobile Sozialstation arbeiten Hand in Hand. Die Fachpflege übernimmt die Kirchliche Sozialstation Nördlicher Breisgau und sie bietet auch Seminare für die Helfer aus dem Dorf an. Der Verein hat über 500 Mitglieder, das bedeutet für die 3.000-Personen-Gemeinde, das jeder sechste Einwohner Mitglied im Verein ist - das Projekt ist also fest im Dorf verankert.

Eine Lebenszeichenanlage bietet gewisse Sicherheit
Um sicher zu stellen, dass Notsituationen der Senioren in den Wohnungen des Betreuten Wohnens schnell erkannt werden, wurde die Lebenszeichenanlage entwickelt. Es werden feste Zeiten von den Bewohnern angegeben, zu denen sie normalerweise aktiv sind, beispielsweise wenn sie morgens das Bad aufsuchen. Wenn in einem bestimmten Zeitfenster die in der Wohnung angebrachten Sensoren keine Bewegung feststellen wird dies im Bürgerbüro
registriert. Die Mitarbeiter des Bürgerbüros rufen zunächst an. Nimmt keiner ab, wird an der Wohnungstür geklingelt. Wenn dann niemand öffnet, gehen zwei Mitarbeiter mit einem Ersatzschlüssel in die Wohnung und schauen nach dem Rechten.

Herz des Projekts - Bürgerbüro
Das Bürgerbüro ist die Zentrale des Vereins Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V. und hat seinen Sitz im Schwanenhof, mitten im Dorfkern. Von dort aus werden alle Einsätze gesteuert, sowohl die Versorgung der alten Menschen, die noch in ihren eigenen vier Wänden leben als auch derjenigen, die in die Wohnanlage für Betreutes Wohnen eingezogen sind. Auch ein Freizeitprogramm für das gesamte Dorf wird von der Bürgergemeinschaft angeboten oderorganisiert. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit einer Tagesbetreuung. Diese entlastetpflegende Angehörige kurzzeitig und ist für die Gäste wie ein zweites Zuhause.

Der Bürgergemeinschaft ist es gelungen durch eine Kombination von Nachbarschaftshilfe undmobilen Pflegekräften drei alternative Wohnformen für alte Menschen zu schaffen, die ihnen ermöglichen, auch im Alter im eigenen Dorf zu bleiben und den Umzug in ein klassisches Pflegeheim zu verhindern. Und mit dem Adlergarten haben sie auch eine Möglichkeit geschaffen, Pflege bis zuletzt anzubieten.