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Entwicklungskonzept für Schuttertal

Ein Bericht der Badischen Zeitung vom 20. Nov. 2012 / von Theo Weber

Suche nach dem Schuttertäler Modell

Wohnformen mit Betreuung für ältere Menschen sollen in Schuttertal angeboten werden / Eichstetten könnte als Vorbild dienen.

Pflegebedürftige finden im Adlergarten in Eichstetten ein Zuhause. Foto: bürgergemeinschaft

SCHUTTERTAL. Mit Hilfe des Freiburger Vereins "SPES Zukunftsmodelle e.V." (Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen) soll nun ein Entwicklungskonzept für die Gemeinde Schuttertal erarbeitet werden, das den Menschen das Altwerden in vertrauter Umgebung ermöglicht. Das "Eichstetter Modell", das die SPES-Vorsitzende und -Geschäftsführerin Ingrid Engelhart im Gemeinderat erläutert hat, könne durchaus die Basis sein, auf der das "Schuttertäler Modell" entwickelt wird.
Infoveranstaltungen der Gemeinde zu dem Thema sowie eine Besichtigungsfahrt fanden großes Interesse. Indes, so Bürgermeister Carsten Gabbert einleitend, sei es nicht möglich gewesen, in der Bürgerschaft Personen zu finden, die bereit gewesen wären, die Erarbeitung eines Konzepts in die Hand zu nehmen. Mit dem Verein SPES soll nun ein Entwicklungskonzept für Schuttertal erarbeitet werden.

Ältere sollen so lange wie möglich in vertrauter Umgebung bleiben können

Ausgangspunkt für die Überlegungen zu einer Projektskizze für Schuttertal sei, dass ältere Menschen so lange wie möglich selbstständig in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben wollen. Ist das in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich oder sinnvoll, bleibe oft nur der Weg in eine stationäre Einrichtung beziehungsweise in ein Pflegeheim, stellte Ingrid Engelhart fest. Durch den Aufbau innovativer und barrierefreier Wohnformen bis hin zur Rundumbetreuung auch für Demenzkranke solle der Wegzug vermieden werden. Da sich ein Pflegeheim in kleineren Gemeinden nicht rechnet und damit auch keine Investoren gefunden werden, soll das für Schuttertal zu entwickelnde Konzept in diese Richtung gehen.

Wichtig ist, dass sich die Einrichtungen nicht am Rand, sondern im Ortszentrum befinden. Als Praxisbeispiele nannte Engelhart das "Mehrgenerationenhaus Schwanenhof" und die "ambulante Pflegewohngruppe Adlergarten" in Eichstetten am Kaiserstuhl. "Die Bürgergemeinschaft oder das Dorf übernimmt dort den Generationenvertrag", stellte Engelhart fest. Im "Schwanenhof" sind barrierefreie Wohnungen geschaffen worden, es gibt Gemeinschaftsräume, ein Bürgerbüro, Ärzte, Geschäfte, ein Bistro und ein integriertes Tagescafé.

Bis zu elf pflegebedürftige oder an Demenz erkrankte Menschen können im Adlergarten ihr neues Zuhause finden. Die Hauswirtschaft, Grundpflege, Betreuung sowie die Nachtwachen übernimmt qualifiziertes Personal aus dem Team der Bürgergemeinschaft, die Fachpflege die Sozialstation. 25 Frauen arbeiten im Adlerpark, insgesamt sind durch das Projekt "Alt werden in vertrauter Umgebung" 55 Arbeitsverhältnisse entstanden.

Eine bürgerschaftliche Trägerschaft ist auch in Schuttertal angestrebt. Voraussetzung ist eine frühzeitige Einbindung der Bürger und der sozialen Einrichtungen in der Gemeinde. Im Entwicklungsprozess sollen ein bis drei Modelle entwickelt werden, die Grundlage für die zu entwickelnde Konzeption sein sollen. Ein Steuerungsteam soll in Zusammenarbeit mit den involvierten Gruppen, Verbänden und Ämtern schließlich das Konzept für Schuttertal erarbeiten. Dazu gehören das Pflege- und Betreuungskonzept, das Qualifizierungskonzept für künftige Mitarbeiter, der Finanzierungsplan, der Aufbau der Trägerstruktur und der Aufbau des Betreuungsnetzes.

Die Umsetzung erfolgt schließlich in Arbeitskreisen und Projektgruppen mit Bürgern unter Einbeziehung aller örtlichen Verantwortlichen aus den verschiedenen Bereichen (Kommune, Kirchen, Vereine). Es sind unterschiedliche Vorgehensweisen möglich, die den Zeitbedarf beeinflussen. Der Zeitbedarf liegt bei ein bis zwei Jahren.

Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V.
Sie ist ein gemeinnütziger Verein, dem zur Zeit etwa 460 Haushalte in Eichstetten als Mitglieder angehören. Die Bürgergemeinschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, ältere oder hilfebedürftige Menschen im ganzen Dorf zu unterstützen. Sie wird getragen von der Idee des Dorfes als Solidargemeinschaft, die für sich die Aufgabe des Generationenvertrages aufgreift und neu gestaltet. Hilfebedürftige Bürgerinnen und Bürger können hauswirtschaftliche oder pflegerische Dienste von aktiven Mitgliedern der Bürgergemeinschaft gegen eine Aufwandsentschädigung in Anspruch nehmen.