Pressespiegel

Zeitbank wird in Efringen Kirchen vorgestellt

Ein Bericht der Badischen Zeitung vom 04.12.12 / von Jutta Schütz

Von einem gegenseitigen Geben und Nehmen

 

Zeitbank-Vereine als Initiative zur Erhaltung der Lebensqualität und zur Förderung der Selbstorganisation und Nachbarschaftshilfe

 EFRINEGN-KIRCHEN. Sie können aus einer Fremdsprache übersetzen, den Rasen mähen, einen Kuchen für ein Fest backen? Im Gegenzug brauchen Sie jemanden, der sie zum Einkaufen fährt, Ihnen den Computer erklärt oder den Hund ausführt? Das alles geht ehrenamtlich und damit ohne Geld, wenn man mit Gleichgesinnten einen Zeitbank 55+-Verein gründet. Die Zeitbank-Vereine sind eine Initiative zur Erhaltung der Lebensqualität und zur Förderung der Selbstorganisation und Nachbarschaftshilfe. Ingrid Engelhart stellte das Projekt in Efringen-Kirchen vor.

Zeitbank-Vereine könnten sich besonders in dörflichen und ländlichen Strukturen sowie innerhalb einzelner Stadtviertel etablieren. Gedacht ist dabei auch daran, dass die Menschen über ehrenamtliche Angebote und die Nachfrage danach wieder mehr Kontakte außerhalb enger Familienstrukturen untereinander pflegen. Die Idee der Zeitbank 55+-Vereine kommt aus Österreich, wo es bereits sehr viele von ihnen gibt. In Deutschland sind bisher acht gemeldet, sieben in Baden-Württemberg, einer in Rheinland-Pfalz, wie Ingrid Engelhart im Rahmen eines Vortrags zum Thema berichtete, der von der Agenda 21-Initiative im evangelischen Gemeindehaus veranstaltet wurde. "Dabei ist das 55+ vom Ursprungsgedanken übrig geblieben, dass vorwiegend Menschen in Frührente oder in Rente Zeit für andere Dinge haben – aber natürlich kann jeder jeden Alters mitmachen", klärte Engelhart auf. Trotzdem spielt das Alter eine Rolle. In der älter werdenden Gesellschaft ist es so, dass viele aktive Seniorinnen und Senioren durchaus Talente und Kenntnisse haben, die wieder von anderen gesucht werden.

Hinzu kommt, dass die wenigsten derjenigen, die auf dem Dorf oder in einem Stadtteil in ihrer eigenen oder gemieteten Wohnung leben, im Alter noch einmal wegwollen. Auf dem Land aber ist es im Alter schwierig, einzukaufen oder auch mal ins Kino, Konzert oder Theater oder auch zum Sport zu gehen. "Wir wollen das Zusammengehörigkeitsgefühl in die Dörfer und kleinstrukturierten Stadtviertel zurückbringen – durch Angebot und Gegenangebot lernt man sich wieder besser untereinander kennen und knüpft vielleicht sogar neue private Kontakte", regte Engelhart an. Für geleistete Helfer-Stunden erhält man Stundenschecks, die für einen eigenen Auftrag an andere wieder eingelöst werden können (siehe unten). Die vielen Zuhörer fanden die Idee sehr gut – es wurde überlegt, ob man in Efringen-Kirchen oder den Teilorten solch einen Verein gründen sollte – der Jahresbetrag, so erfuhr man, liegt derzeit bei 36 Euro. Um sich die Idee durch den Kopf gehen zu lassen und vielleicht Mitstreiter zu finden, wird die Agenda-Gruppe Mitte Januar noch mal einen zweiten Informationsabend zum Thema veranstalten.

DIE ZEITBANK

Wer in eine Zeitbank 55 + eintreten will, füllt als Neumitglied zuerst mal eine Liste aus. Auf dieser kann man ankreuzen, was man selbst an Fähigkeiten oder Tätigkeiten einbringen möchte und was man sucht. Jedes Mitglied erhält einen Ausweis und als Start einen Stundenblock mit einem Zeitguthaben von fünf Stunden. Wenn man Hilfe benötigt, sucht das Zeitbankbüro im Verein vor Ort, in dem man registriert ist, einen möglichen Helfer. Ist dieser gefunden und kommt beim Hifesuchenden vorbei, so stellt dieser für jede geleistete Stunde einen Scheck vom Stundenblock aus. Die Stunden lässt sich der Helfer vom Zeitbankbüro auf ein Stundenkonto buchen. Leistet man selbst Hilfe, bekommt man dafür Stunden auf sein Konto. Damit kann man Guthaben-Stunden ansparen. Diese Guthaben-Stunden kann man dann wieder für Hilfe abrechnen, die man selbst in Anspruch nimmt. Übers Internet oder eine direkte Anfrage beim Vereinsvorstand kann man sein Kundenkonto abfragen. Alle Zeitbank-Mitglieder sind in einem Zeitbankbüro registriert, zusätzlich gibt es regelmäßige Stammtische zum besseren Kennenlernen.Weitere Infos unter SPES Zukunftsmodelle e.V. Freiburg, Ingrid Engelhart 0761/5144244, info@spes.de. www.spes.de