Pressespiegel

Vorstellung in Gerlachsheim

„Gerlachsheimer Mon(d)tage“: SPES-Geschäftsführerin Ingrid Engelhart referierte über Netzwerke im Alter 

„Zeitbank 55+“ als Modell für Nachbarschaftshilfe

Ein 'Bericht der Fränkischen Nachrichten' vom 6.Febr. 2013 / von Peter D. Wagner

 

 

 

 

 

 

Ingrid Engelhart, Vorsitzende und Geschäftsführerin der "Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen (SPES)" in Freiburg, stellte die "Zeitbank 55+" vor.
Foto: Peter D. Wagner

Gerlachsheim. Im Rahmen der Gerlachsheimer Mon(d)tage referierte Ingrid Engelhart, Vorsitzende und Geschäftsführerin der "Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen (SPES)" in Freiburg, im Gerlachsheimer Josefshaus unter dem Motto "Was tun wenn ich älter werde? - Von der Kunst, das Leben zu teilen" über konkret erfahrbare soziale Netzwerke, die sich vor allem auch an ältere Menschen richten. Dabei stand insbesondere das Thema "Zeitbank 55+" im Mittelpunkt.

 Im Verein "SPES" haben sich Menschen zusammen geschlossen, die zur Stärkung der Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit beitragen wollen, indem sie Methoden zur Bürgerbeteiligung, Modelle für Nahversorgung und Nachbarschaftshilfe, Konzepte im Blick auf den demographischen Wandel, Initiativen für die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und weitere Zukunftsmodelle entwickeln.

Der Verein unterstützt Gemeinden und Regionen, die diese Modelle umsetzen wollen. Neben dem Thema "LebensQualität durch Nähe (LQN)", über das Bürgermeister a. D. Gerhard Kiechle Ende 2012 im Rahmen des "Zukunftsdialog Balbachtal" in Deubach referierte, und "DORV - Dienstleistung und ortsnahe RundumVersorgung" zählt die Thematik "Alt werden in vertrauter Umgebung" in Form von Pflegewohngruppen und anderen innovativen Wohn- und Pflegeformen oder Hilfe von Haus zu Haus zu den Zukunftsmodellen von SPES.

Eine weitere SPES-Initiative zur Erhaltung der Lebensqualität im Alter vor Ort ist die "Zeitbank55+". In ihr könnten sich Menschen auf Basis einer geordneten Nachbarschaftshilfe und gelebten Nächstenliebe zusammentun und füreinander da sein, erklärte Engelhart.

 Die Zeitbankmitglieder leisten sich gegenseitige Hilfestellung und Unterstützung zur besseren Bewältigung der Aufgaben im Alltag. Aber auch gemeinsame Unternehmungen und Freizeitaktivitäten seien wichtige Elemente einer "Zeitbank 55+".

Für die Hilfen, die man gebe, bekomme man die Zeit auf einem Stundenkonto gutgeschrieben. Wenn man selbst Hilfe in Anspruch nehme, "bezahle" man mit diesen angesparten Stunden. "Miteinander älter werden mit dem Gefühl, gebraucht zu werden", nannte Engelhart als wesentliches Leitmotiv dieser Initiative.

Für ältere Menschen sei das Bedürfnis, möglichst lange und weitgehend unabhängig in den eigenen vier Wänden und in der vertrauten Umgebung zu verbleiben, ein zentrales Anliegen. Eine lebendige, nachbarschaftliche Hilfestellung könne viel dazu beitragen, die Lebensqualität im Alter in der eigenen Wohnung lange genießen zu können. Zugleich gehe damit, dass Menschen in Deutschland immer älter werden, einher, dass immer mehr Bürger in der Lage und bereit seien, sich aktiv in das gesellschaftliche Leben einzubringen.

Die Mitglieder der "Zeitbank 55+" bieten einander kleine Dienstleistungen und Hilfen in allerlei Lebensbereichen an, wodurch sie ihre Fähigkeiten und Talente weiter ausüben, entfalten und zum Nutzen anderer Menschen einbringen können. Beispiele dafür seien unter anderem die Unterstützung im Haushalt oder bei Gartenarbeiten, Besuchsdienste, Gespräche, Spiele, Betreuung von Haustieren, Einkaufsfahrten, Hilfestellungen bei Behörden und Schriftverkehr oder etwa Hilfe beim Umgang mit dem Computer.

Die geleisteten Stunden werden auf einem "Leistungsscheck" eingetragen, anschließend auf Zeitkonten gebucht und mit Hilfe eines speziell entwickelten EDV-Programms korrekt verwaltet.

Nicht zu den Angeboten der "Zeitbank 55+" zählen sollten professionell gewerbliche Dienste und Dienstleistungen sowie regelmäßige Arbeiten wie zum Beispiel regelmäßige Reinigung im Haushalt, größere Renovierungsarbeiten in Haus und Garten, Pflegedienste, Krankentransporte oder Reparaturen mit Gewährleistung.

Die "Zeitbank 55+" könne in Form eines gemeinnützigen Vereins oder als selbstständige Abteilung innerhalb eines bereits bestehenden Vereins, zum Beispiel eines Krankenvereins, organisiert sein.

Die Tätigkeit der Zeitbankmitglieder erfolge rein ehrenamtlich und freiwillig. Mitglied werden könnten Personen ab dem 18. Lebensjahr.

Auch wenn "Zeitguthaben" wie etwa in der "Zeitbank 55+" als eine Ergänzung der klassischen Formen der Altersvorsorge betrachtet werden könnten, sei es Ziel, die Stunden nicht nur auf später aufzusparen, sondern schon frühzeitig ein gegenseitiges Geben und Nehmen einzuüben, betonte die Referentin.

Regelmäßige, möglichst monatliche Stammtische sollten dazu beitragen, dass sich die Zeitbank-Mitglieder kennenlernen könnten, eine gegenseitige Vertrauensbasis geschaffen werde sowie die Möglichkeit zum Austausch von Angebote und Bedarf gegeben sei.

Seit Start der Initiative "Zeitbank 55+" vor rund drei Jahren hätten sich in Baden-Württemberg acht Zeitbankvereine gegründet, weitere seien in Vorbereitung. Zudem gebe es bereits längere Zeit in Österreich zahlreiche Praxisbeispiele für Zeitbankvereine. "Wir unterstützen Sie gerne bei der Gründung einer Zeitbank 55+ in Ihrer Ortschaft", hob Engelhart hervor.

SPES stelle im Rahmen einer Zeitbankgründung sämtliche Unterlagen für den Stundentausch sowie den Zugang zum EDV-System zur Verwaltung und Verrechnung der Zeitstunden zur Verfügung.