Elektro-Bürgerauto bekommt Innovationspreis ÖPNV 2013

Die Beurteilungskriterien bei der Vergabe des Innovationspreises ÖPNV 2013 "Die innovativsten Ideen für nachhaltige Mobilität im ÖPNV":

  • Nachhaltigkeit des Verkehrsangebotes
  • Akzeptanz bei den Fahrgästen, Fahrgastzufriedenheit
  • Marketing und Information
  • Innovationsqualität

Leuchttürme der Bürgerbeteiligung

Flyer Elektro-Bürgerauto Oberreichenbach
(Flyer Elektro-Bürgerauto Oberreichenbach)

Von: Dischinger, Marcus  Staatsanzeiger: Ausgabe 9/2013

Ein Dorf schafft Lebensqualität durch Gemeinschaft

In Oberreichenbach haben die Bürger das Heft des Handelns in die Hand genommen und gestalten den Ort, wie sie ihn gerne hätten. „Lebensqualität durch Nähe“ heißt das auf mehrere Jahre angelegte Projekt, das enorme Kräfte freisetzt.

Mit rund 2800 Einwohnern gehört Oberreichenbach (Landkreis Calw) zu den kleinen Gemeinden. Da muss man zusammenhalten. Das sagte sich auch Bürgermeister Karlheinz Kistner (parteilos) und erstellte eine Liste derjenigen, die er für ein Projekt gewinnen wollte. „20 Personen hatten der Gemeinderat und ich auf meinem Zettel stehen“, erinnert er sich an das Jahr 2009 zurück. Gestartet wurde eine Initiative mit dem Namen „Lebensqualität durch Nähe“ (LQN).
Ein Gemeinschaftserlebnis aus einem Ort machen, ist das Motto

Mit dem Projekt, unterstützt von der Europäischen Union, sollten Lösungsansätze zur Sicherung der Grund- und Nahversorgung im ländlichen Raum gefunden werden. Die Bürger sollten ihre Ideen benennen und sich einbringen.

Das haben sie getan – viel umfassender als ursprünglich gedacht: Heute gibt es sechs Arbeitskreise, rund 120 Menschen engagieren sich und machen aus Oberreichenbach ein Gemeinschaftserlebnis. „Man braucht einen Gemeinderat und eine Verwaltung, die bereit sind, loszulassen“, weiß Bürgermeister Kistner. Das 14-köpfige Gremium stand zu Beginn nicht geschlossen hinter der Idee, es gab eine Gegenstimme. Nach drei Jahren sei die betreffende Person „aber vermutlich der stärkste Befürworter“, meint der Bürgermeister stolz.

Vor allem aber brauche man Bürger, die sich einbringen. Zu diesen zählt in Oberreichenbach etwa Verena Greger: Sie leitet den Arbeitskreis Nahversorgung und Mobilität. „Es gibt in Oberreichenbach lediglich noch ein kleines Lädchen mit Lebensmitteln, und Busverbindungen in die nächstgrößeren Orte mit Versorgungsmöglichkeiten sind rar“, beschreibt sie einen Missstand, mit dem viele Gemeinden zu kämpfen haben.

Seit April 2012 wird ein Elektromobil, gesponsert vom örtlichen Energieversorger, eingesetzt, um Fahrten zum Einkaufen oder zum Arzt zu ermöglichen. Fahrer sind 20 ehrenamtlich Aktive im Ort. Ehrenamtlichen Dienst versieht Verena Greger zudem einmal in der Woche in der durch LQN entstandenen Bibliothek. „Die hat uns im Prinzip null Euro gekostet“, berichtet Kistner. Das Gebäude war schon da, die Bücher wurden gespendet, lediglich das Softwaresystem für Buchungen bei der Ausleihe bezahlte die Gemeinde. Der Arbeitskreis Helfende Hände ist das mit Abstand größte Projekt. Angefangen beim Seniorenmittagstisch über eine Pflanzentauschbörse bis hin zum Pflegekurs und der Nachbarschaftshilfe wollen die Aktiven vor allem das Zwischenmenschliche pflegen und fördern. Regelmäßig gibt es Abende für die Nähbegeisterten. „Da treffen sich Menschen, die würden ohne die Lichtstub’ nie zusammenkommen“, sagt Irmgard Albrecht, Koordinatorin des Arbeitskreises Helfende Hände und Gemeinderätin.
Bürger erarbeiteten Konzept für Gemeinschaftshaus in einem Ortsteil

Das durchziehe alle Bereiche von LQN, fügt sie hinzu. Im Arbeitskreis Jugend wurde ein Jugendraum für Acht- bis Zwölfjährige eingerichtet Angebote für jüngere und ältere Kinder gab es bereits. Der Arbeitskreis „KinO“ kümmert sich um das kulturelle Leben und will die Angebote der Vereine ergänzen.

Erich Lehmann macht ehrenamtlich die Öffentlichkeitsarbeit für viele der Aktivitäten. Für Bürgermeister Kistner ist das unverzichtbar. Die Akzeptanz von LQN in der Bürgerschaft sei entscheidend für das Gelingen. Vor wenigen Monaten erst zusammengetan haben sich Einwohner, um für einen Ortsteil ein Dorfgemeinschaftshaus zu planen. Der Gemeinderat hat zwar entschieden, dass gebaut wird. Modell und Konzept der neuen Einrichtung aber stammen – aus einem Bürger-Arbeitskreis.



[→ zum Seitenanfang]

Oberreichenbach gewinnt beim Bundeswettbewerb

Bericht aus der Kundenzeitschrift Energie Calw GmbH encw 01/2013

 

Jedes Jahr schreibt das Bundesumweltministerium den Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz" aus. Im letzten Jahr bewarben sich 37 Städte und Gemeinden in der Kategorie „Kommunaler Klimaschutz zum Mitmachen", darunter auch Oberreichenbach mit dem in der Bundesrepublik einmaligen Elektro-Bürgerauto.

Verständlicherweise war die Freude riesig, als der Bescheid kam, dass Oberreichenbach zu den drei Gewinnern zählt, zumal dies mit einem Preisgeld in Höhe von stattlichen 20.000 Euro verbunden ist. „Das Preisgeld verwenden wir, um das Angebot des Elektro-Bügerautos weiter auszubauen und in die dafür erforderliche Infrastruktur zu investieren. Zusätzlich soll Elektromobilität in Oberreichenbach für die Bevölkerung und für Gäste noch stärker erlebbar gemacht werden," sagte Bürgermeister Karlheinz Kistner bei der Preisverleihung in Berlin. 20 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer engagieren sich in diesem Projekt. Sie holen die Fahrgäste vor der eigenen Haustür ab und bringen sie zu ihren Zielen in den Nachbargemeinden. Der Service steht allen Bürgern aus Oberreichenbach sowie Besuchern der Gemeinde zur Verfügung. Neben der direkten C02-Einsparung gegenüber anderen motorisierten Transportmitteln bringt das Fahrzeug einen Multiplikatoreffekt in der Bevölkerung. Die bisher über 1.000 Fahrgäste sind sich einig: Elektromobilität ist eine Technik der Zukunft. Das Projekt ist für die Fahrgäste bewusst einfach gestaltet: Ein Anruf auf dem Bürgerhandy reicht aus, um die Fahrt zu vereinbaren. Das Fahrzeug ist seit April 2012 bereits rund 20.000 km zum Wohle der Bürger unterwegs gewesen. Es ist dabei keine Konkurrenz zum öffentlichen Personennahverkehr, sondern ergänzt effektiv die bestehenden Strukturen.

„Natürlich sind wir stolz darauf, dass wir bei diesem Vorzeigeprojekt, indem wir der Gemeinde Oberreichenbach das Fahrzeug zur Verfügung stellen, unseren Teil zu diesem Erfolg beisteuern konnten", freut sich der Geschäftsführer der ENCW, Horst Graef. „Wir sehen uns dadurch auch in unserer Intention bestätigt, in der Region eine Vorreiterrolle beim Thema Elektromobilität zu übernehmen und werden das noch stärker und intensiver vorantreiben"


[→ zum Seitenanfang]